Blut und Rost – Tranthal 3

„Stahldünen“, ein Großgefängnis an der Südküste, dient der Kolonie und den Völkern der Dar’y und Isaris als gemeinsames Projekt gegen die grassierende Kriminalität. Vas Kandiris, Kommandeur der mächtigen Regierungsgarden, missbraucht es jedoch zunehmend zur Inhaftierung politischer Gegner des Gouverneurs. Auch die Tochter des verstorbenen Hohepriesters des Aristo-Kultes der Dar’y sieht sich zunehmend radikaleren Kräfte innerhalb der Clans gegenüber. Sard Mamarter und Dars Poole gehören zu den prominenten Häftlingen, die nach und nach die „Stahldünen“ unter ihre Kontrolle bringen. Als auch brutalste Maßnahmen der Regierungsgarden die Bevölkerung nicht mehr beruhigen können, flüchtet die Regierung in die erhoffte sichere Festung und trifft dort auf Kriminelle, radikale Gläubige und politische Extremisten. Übergangsgouverneurin Brit Darburg organisiert zusammen mit Len Kakaia, Brigadegeneral der Politischen Polizei, den Widerstand.

Erhältlich ab Frühjahr 2020

Description

Vier Jahre später sind die Widersprüche in den Gesellschaften der Kolonie und der Dar'y nicht mehr zu ignorieren. Weder gelingt die Integration der dar'yschen Zuwanderer und ihrer Religion, noch sind Kriminalität und Verfall in der Kolonie einzudämmen, die politischen Spannungen nehmen zu: Kat-Ya Kon Wardi, nach dem Tod ihres Vaters neue Hohepriesterin des Aristo-Kultes, sieht sich zunehmenden innenpolitischen Konflikten gegenüber. Würde ihr Liebesverhältnis mit dem Besatzungsgeneral Quaila bekannt, führte dies umgehend zur Eskalation mit den Clanfamilien. Auch Gouverneur Adams nach wie vor starres Festhalten an den Kolonialverträgen mit der Erde sorgt für immer mehr Wut und Verzweiflung in der Bevölkerung. Die Sicherheitstruppen von Vas Kandiris erhalten aus seiner Hand immer neue Befugnisse, die bald jene der Miliz und auch der Armee übersteigen.

Spürbarstes Merkmal internationaler Sicherheitszusammenarbeit sind die "Stahldünen". Eine riesige Gefängnisfestung, errichtet in der Einsamkeit der sturmumtosten Südküste, um Schwerverbrecher aller Völker wie Sard Mamarter sicher unterzubringen. Gleichzeitig ist sie ein in Stahlbeton gegossenes Sinnbild der Hilflosigkeit der Regierungen von Kolonie, Dar'y und Isaris, die immer repressiver reagieren auf das, was sie mit Argumenten nicht mehr bewegen können. Die dar'ysche Direktorin ist schwach und den Machenschaften einflussreicher Gefangener um Sard Mamarter und Dars Poole hilflos ausgeliefert. Die "Stahldünen" werden zum politischen Werkzeug, als Seth Adam die Sicherungstruppe von Vas Kandiris einsetzt, um seine Kritiker auszugrenzen, Widerstand niederzuschlagen und hunderte Zivilisten als "Verschwörer" kurzerhand in die Festung zu deportieren.

Alle Hoffnungen richten sich auf das neue Raumfahrtprogramm, das Adam zu seinem Nutzen von Brit Darburg, der Leiterin seiner Propagandaabteilung, ausschlachten lassen will. Unter Aufwendung der letzten Reserven und dem Besten, was technologisch noch verfügbar ist, sollen die aufgegebenen Rohstoffminen auf Mond Acht noch einmal ausgebeutet werden und mit einem neuen orbitalen Peilsystem hofft man, doch noch einmal Kontakt mit der Erde herzustellen. Verzweifelt und getrieben von Erfolgszwang befiehlt Gouverneur Adam eine öffentliche Vorführung des bis dahin vollkommen ungetesteten Raketensystems, an dem auch dar'ysche Ingenieure beteiligt waren.

Len Kakaia und General Quaila sehen sich konfrontiert mit dem Scheitern ihrer Ideale. Als Quaila entmachtet wird und seine Besatzungsgarnison in Dar'y-Jash an den Hardliner Vas Kandiris übergeben soll, ist seine Friedensarbeit mit den Dar'y gefährdet. Lens neue Miliz-Abteilung, die Politische Polizei, wird immer öfter zur Niederschlagung von Demonstrationen eingesetzt und ihm bleibt nur das ohnmächtige Zusehen und Mithandeln, doch auch er gerät in das Blickfeld geheimer Dienste. Die "Stahldünen" entwickeln einen nicht enden wollenden Hunger nach neuen Gefangenen, doch da viele Menschen keine Hoffnung mehr sehen, verlieren sie auch ihre Angst. Zunehmend stärkere und gewalttätige Proteste zwingen Vas Kandiris und Seth Adam zum Rückzug aus der Hauptstadt Hallwa. Allein die "Stahldünen" scheinen für sie und ihre Getreuen noch ein sicherer Zufluchtsort zu sein.

Fast vierzig Jahre nach dem letzten Kontakt zum Mutterplaneten Erde hält die menschliche Kolonie auf Tranthal unter Führung von Gouverneur Seth Adam eisern an den vor zweihundert Jahren geschlossenen Kolonialverträgen fest. Diese versichern den Bewohnern Schutz und Technologietransfer, für den im Gegenzug Rohstoffe, Energie und seltene chemische Verbindungen für die Erde geschürft, erzeugt und gelagert werden. Trotzdem der Kontakt abgebrochen ist und keine Unterstützung mehr eintrifft, weigert sich Gouverneur Adam die Verträge auszusetzen. Während dadurch der Lebensstandard zunehmend sinkt und die Kolonie auch nach zweihundert Jahren ihrer Existenz von den anderen Völkern des Planeten mehr verachtet als respektiert wird, stagniert die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung vielerorts. Die Demokratie, jahrzehntelang in Aussicht gestellt, wenn nur erst die Völker der Dar'y, Isaris oder Sin-Dar'y auf Abstand gehalten wären, ist zu einem sanften Autoritarismus geronnen.

Um die alten Kolonialverpflichtungen zu erfüllen, werden Rohstoffe in der Nähe des Raumhafens gelagert, die in der Kolonie selbst überall fehlen. Während sogar das eigene Raumfahrtprogramm aus Energie- und Rohstoffmangel eingestellt werden muss, werden die riesigen Lagerhallen erweitert und bestückt mit Gütern, die seit langem nicht mehr abgeholt werden.

In einem Klima der Stagnation, des innenpolitischen Drucks und eines sich abzeichnenden neuen Krieges mit den benachbarten Dar'y beenden drei junge Rekruten ihre Ausbildung an der renommierten Militärakademie der kolonialen Hauptstadt Hallwa: Brit Darburg, Tochter des einflussreichen Kolonialbeamten Frid Darburg und Studentin am Fachbereich Propaganda, Dars Poole, ein regimekritischer und äußerst talentierter junger Astrophysiker und Len Kakaia, Spross einer Dynastie von Landwirten, der Kriminologie studiert und sich nach den Straßenschluchten der Großstadt sehnt. Sie beide lieben Brit, auf ihre je ganz eigene Art. Brit jedoch, die mütterlicherseits eine direkte Abstammungslinie bis zurück zur Erde besitzt, liebt vor allem den Staat, die Kolonie und glaubt felsenfest an Gouverneur Adam.

Gemeinsam drängen sie nach ihrem Abschluss in die Welt. Eine Welt, die nicht nur von Politik und Religion bestimmt wird, sondern auch geprägt ist von einem mächtigen militärisch-politischen Komplex und sakrosankten Hierarchien, interkulturellen Konflikten und wirtschaftlichen Auseinandersetzungen, an deren Ende nicht nur das Leben, wie sie es kennen, sondern auch ihre ganz persönlichen Ideale, Hoffnungen und Ängste auf den Prüfstand gestellt werden.

Eine Welt, in der Politiker, Religionsführer und Schwerstkriminelle die Fäden ziehen und viele weit mehr als ihren Glauben an die Kolonie verlieren werden.